Streitfall Schutzhütte

Ein offener Brief zur 72-Stunden-Aktion 2020

Veröffentlicht von Landjugend Heiligenrode am 11. Dezember 2019

26.05.2019 – 17 Uhr, Bahnhof Harpstedt: Was das Land kann, kann Heiligenrode auch! Sonderzug zur 72h-Aktion. Der Countdown läuft. Wir rollen pünktlich um 18 Uhr zur Aufgabenverkündung in den Bahnhof „Zur Malsch“ ein.

Unsere Aufgabe lautet: „Errichtet eine offene Schutzhütte am Bolzplatz in Groß Mackenstedt.“

In den folgenden 72 Stunden werden durch die Mitglieder der Landjugend Heiligenrode alle Gewerke rund um die Hütte ausgeführt, es wird gebaggert, gepflastert, gerüttelt, betoniert, gezimmert, gestrichen, das Dach gedeckt, Dachrinnen gelötet, Bäume und Blumen gepflanzt, organisiert und improvisiert. Es gleicht einer Kombination aus Marathon und Staffellauf, denn vieles muss parallel erledigt werden.

Die Unterstützung der Sponsoren ist sagenhaft. An dieser Stelle ziehen wir den imaginären Hut. Für jeden Euro, jede Schraube, jeden Stein, jedes Brett, für Verpflegung, Werkzeug, Fahrzeuge, Räumlichkeiten, jeden Tipp und jede helfende Hand. Herzlichen Dank.

Am späten Freitagnachmittag steht hoher Besuch ins (noch nicht fertige) Haus. Vertreter von Kommunal-, Landes und Bundespolitik sowie Vertretern des Orgateams der NLJ überzeugen sich vom Baufortschritt. Zwanglose Gespräche mit Politikern über Themen aller Bereiche – auch das ist 72h-Aktion.

Warum nimmt sich eine Gruppe Jugendlicher kollektiv die Zeit, etwas für die Allgemeinheit zu tun? Warum unterstützen Firmen Aktionen wie diese? Weil die vergangenen 72 Stunden wieder einmal gezeigt haben, dass es unglaublichen Spaß macht, gemeinsam etwas zu erschaffen. Weil bei Aktionen wie dieser, Dinge gelernt werden, die keine Schule dieser Welt vermitteln kann. Weil es ohne Aktionen wie dieser viele großartige Plätze und Möglichkeiten nicht gäbe. Weil bei Aktionen wie dieser Freundschaften entstehen. Weil Aktionen wie diese das Leben bei uns bereichern. Weil manche Dinge nur dann funktionieren, wenn der nötige Zeitdruck entsteht.

Bleibt die Frage nach dem „Warum?“ Warum passiert genau DAS nicht öfter?

Die Antwort auf diese Frage können wir vielleicht im nächsten Absatz geben:

Sehr geehrte Sponsoren, Firmen, Vereine, Unterstützer und Freunde,

wir, die Landjugend Heiligenrode, entschuldigen uns hiermit in aller Form für das Verhalten der Gemeinde Stuhr. Die Art und Weise, wie mit Geldern und Sachspenden von Ihnen umgegangen wird, finden wir erschreckend und traurig.

Im Rahmen der 72-Stunden-Aktion, haben wir mit Ihrer Unterstützung einen Ort in Groß Mackenstedt geschaffen, der von Bürgerinnen und Bürgern aller Altersgruppen genutzt werden sollte. Durch das inakzeptable Verhalten weniger Personen wurde die Schutzhütte bereits beschädigt und Sperrmüll dort zurück gelassen. Wir verurteilen dieses Verhalten! Diesen Vorfall seitens der Gemeinde Stuhr allerdings als Anlass zu nehmen, Gedanken, Energie und Steuergelder darin zu verschwenden, die von uns angelegten, bepflanzten Wälle, welche das Erscheinungsbild der Hütte prägen, dafür verantwortlich zu machen, dass „Jugendliche dort die Möglichkeit hätten, sich zu verstecken und Dinge zu tun, bei denen sie nicht gesehen werden wollen“, halten wir für mehr als fragwürdig. Ernsthaft?

Liebe Verwaltung, im Mittelweg steht eine Schutzhütte mit Wänden, … . Bitte denken Sie den zweiten Halbsatz selbständig zuende! Und zur Erinnerung, Jugendliche haben die Hütte und den Wall errichtet. Danke, dass immer und ausschließlich Jugendliche die Verursacher von Vandalismus sind. Die Stimmung innerhalb der Landjugend bei dem Thema 72-Stunden-Aktion war immer geprägt von positiven Emotionen und Erinnerungen, Sie haben es geschafft, dass Unverständnis, Wut und Resignation jetzt ebenfalls mit dieser großartigen Aktion verbunden werden. Nur nebenbei, ganz Landjugend-Niedersachsen schüttelt den Kopf über die Gemeinde Stuhr. Glückwunsch. Schämt euch!

Eure Landjugend Heiligenrode